„Und? Was verdienst Du so?“
„Kannst Du davon mittlerweile leben?“
„Oder ist das eher noch ein Taschengeld für die Urlaubskasse?“
Ich kenne diese Fragen. Und sie haben mich lange getroffen. Denn gemessen an der Definition meines Gegenübers war die Antwort manchmal ziemlich eindeutig: Dann war ich eben nicht erfolgreich. Heute denke ich vollkommen anders darüber.
Ich möchte kein Leben führen, von dem ich Urlaub brauche.
Für mich bedeutet Erfolg nicht, möglichst viel auszuhalten. Ich möchte mich nicht leer arbeiten, um irgendwann beweisen zu können, dass ich es geschafft habe. Ich bin nicht hier, um zu arbeiten. Ich bin hier, um dieses Leben zu erfahren. Und ich darf mir eine Arbeitswelt erschaffen, welche zu diesem Leben gehört. Ich hatte einmal ein Gespräch mit einer Kollegin aus dem Businessbereich und sagte zu ihr: „Ich möchte zehn Stunden die Woche arbeiten. Fertig.“
Sie antwortete: „Juli, das glaube ich Dir nicht.“ Dann zählte sie mir auf, was für sie alles Arbeit ist. Und ich musste lachen. Denn nach ihrer Definition arbeite ich manchmal sehr viel. Es können auch einmal 40, 50 oder noch mehr Stunden sein. Nur fühlt es sich für mich nicht so an. Weil ich kreiere. Weil ich schreibe. Weil ich forsche. Weil ich Dinge miteinander verbinde. Weil ich das tue, was meiner Natur entspricht. Und genau das ist für mich Erfolg:
Ein Leben zu erschaffen, von dem ich keinen Urlaub brauche.
Erfolg kann sein, etwas überhaupt in die Welt zu geben. Wenn ich eine Idee habe, sie durch einen Prozess begleite, daraus etwas erschaffe und irgendwann den Mut habe, damit nach draußen zu gehen, ist das für mich Erfolg. Auch wenn es vielleicht niemand kauft. Ich habe mich gezeigt. Ich habe etwas, das vorher nur in mir existierte, in diese Welt gebracht. Wenn es dann auch noch gebucht wird: Oberknaller. 😄
Doch mein Erfolg beginnt nicht erst an dieser Stelle. Er beginnt viel früher; bei dem Mut, mich zu leben. Meiner Freude zu folgen. Etwas auf meine Weise zu tun, obwohl es im Außen vielleicht belächelt oder überhaupt nicht verstanden wird.
Vielleicht braucht Erfolg eine neue Definition. 2026 trägt im BaZi die Energie des Yang-Feuer-Pferdes. 2027 folgt die Yin-Feuer-Ziege. Ich empfinde diese Zeit als eine Einladung, uns sehr grundsätzlich damit auseinanderzusetzen, was wir eigentlich weitertragen möchten. Was wurde angestoßen? Was darf tiefer werden? Was möchten wir säen? Und was soll aus all dem irgendwann sichtbar werden?
Vielleicht gehört dazu auch, unsere Definition von Erfolg zu hinterfragen. Denn für mich ist Erfolg heute kein Zeugnis voller Einsen. Kein bestimmter Monatsumsatz. Kein Team mit fünf Angestellten. Kein gesellschaftlicher Lebenslauf, bei dem jedes Häkchen zur richtigen Zeit gesetzt wurde.
Erfolg ist für mich, den Mut zu haben, das zu leben, was mir gegeben wurde.
Was wäre, wenn Deine Einzigartigkeit gebraucht wird? Ich glaube, das Göttliche hat jeden von uns einzigartig geschaffen. Und ich glaube, dass das einen Grund hat. Wenn diese Einzigartigkeit nicht gebraucht würde - warum wären wir dann mit ihr auf die Welt gekommen? Dabei denke ich manchmal an einen Bienenstock oder einen Ameisenstaat. Nicht alle tun dasselbe. Und genau deshalb funktioniert das Ganze. Wir können nicht alle Ärztinnen werden, weil wir Menschen helfen möchten. Wir brauchen Menschen, die forschen. Menschen, die heilen. Menschen, die organisieren. Menschen, die erfinden. Menschen, die Musik erschaffen. Menschen, die Geschichten schreiben. Menschen, die Dinge wahrnehmen, für die andere noch keine Worte haben. Musik kann einen Menschen verändern. Poesie kann etwas in uns berühren. Wissenschaft kann unsere Welt verschieben. Und vielleicht besteht unser Beitrag zum Ganzen viel weniger darin, möglichst viel von uns zu geben.
Vielleicht besteht er darin, das zu geben, was tatsächlich unseres ist.
Für mich bedeutet das ausdrücklich nicht, mein letztes Hemd zu verschenken und am Ende selbst nackt dazustehen. Ich muss mich nicht aufopfern, um wertvoll für andere zu sein. Ich darf meine Fähigkeiten leben. Eine meiner Fähigkeiten ist es, Energien, Menschen und Räume wahrzunehmen. Dinge zu spüren, die zwischen dem Sichtbaren liegen und sie in Worte zu fassen. Wenn dadurch eine Frau sich selbst versteht, Frieden findet oder plötzlich erkennt, warum ein Weg sich für sie seit Jahren so anstrengend anfühlt, dann stelle ich etwas von mir zur Verfügung, das einem anderen Menschen dienen kann. Und ich muss dafür niemand anderes werden. Im Gegenteil. Je mehr ich meine eigene Natur lebe, desto mehr kann ich genau das beitragen, was nur in meiner Kombination vorhanden ist.
Inzwischen ist dies die schönste Definition von Erfolg:
So sehr Du selbst zu werden, dass das, was durch Dich in diese Welt kommen möchte, tatsächlich durch Dich in diese Welt kommen kann.
Und vielleicht beginnt genau dort auch eine andere Form des Miteinanders. Wir müssen den Schmetterling nicht mehr dafür bewerten, dass er schlecht schwimmt. Wir können ihn fliegen lassen. Den Delfin schwimmen lassen. Den Affen klettern lassen.
Und den Menschen endlich wieder entdecken lassen, was eigentlich seine ganz eigene Art ist, in dieser Welt zu wirken.